Thema: JOSQUIN: GEHEIMNIS SEINES ERFOLGES

Vom 25. bis zum 27. April findet am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Leipzig ein internationales Symposium mit dem Titel »Von Samson zu Les Barbares – Camille Saint-Saëns und die deutsch-französischen Musikbeziehungen ab 1870/71« statt. In der Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen markiert der Krieg von 1870/71 auch auf kulturellem Gebiet eine tiefe Zäsur. Fortan wurde der jeweilige Nachbar danach zunehmend als Bedrohung und Konkurrenz wahrgenommen. Obwohl die Société nationale de musique 1870 von Camille Saint-Saëns und anderen französischen Komponisten unter der Devise Ars gallica gegründet wurde, hat ihre Förderung der Instrumentalmusik die Orientierung an deutschen Vorbildern zunächst noch verstärkt und der Wagnérisme fand 1890 seinen Höhepunkt. Zur Rechtfertigung dieser Transferprozesse berief man sich auf das Prinzip der »feindseligen Übernahme«. Auf deutscher Seite wurde der Krieg oft als Bestätigung lange gepflegter Vorurteile über französische Musik interpretiert. Gleichwohl wurden französische Opern weiterhin viel gespielt und einige sogar uraufgeführt: so etwa 1877 in Weimar Samson et Dalila von Camille Saint-Saëns, der auch weiter als Pianist in Deutschland tourte. Seine späte Oper Les Barbares (1901) erscheint jedoch als Kritik am deutschen Hegemonialstreben. Die beiden Werke markieren daher die Extrempunkte eines Spannungsfelds von Kooperation und Rivalität, in dem sich die deutsch-französischen Musikbeziehungen 1870-1914 entwickelten. Auf dem Symposium wird dieses Feld anhand zahlreicher Beispiele untersucht. Als Leitfaden dient der Grundsatz der Kulturtransferforschung, dass ein Transfer primär dann erfolgreich ist, wenn er den spezifischen Bedürfnissen der Aufnahmekultur dient. Der Eintritt zum Symposium frei. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Fragen können an Stefan Keym (keym@uni-leipzig.de) gerichtet werden. Mehr Informationen finden Sie im Infolink.

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